Was ist ein Entscheidungsbuch?
Ein Entscheidungsbuch erzählt nicht einfach von vorn nach hinten. Nach einem kurzen Abschnitt steht eine Frage: Folgt die Hauptfigur der Spur in den Keller, oder fragt sie erst jemanden um Rat? Je nach Antwort geht es an einer anderen Stelle weiter. So entstehen mehrere Wege durch dieselbe Geschichte – und meistens auch mehrere Enden.
Im deutschsprachigen Raum kennen viele die Reihe „1000 Gefahren“ aus dem Ravensburger Verlag, im englischsprachigen Raum die Reihe „Choose Your Own Adventure“, deren erster Band 1979 erschien. In manchen Büchern ist das lesende Kind selbst die Hauptfigur („Du stehst vor einer Tür …“), in anderen begleitet es eine Figur und entscheidet für sie. Gemeinsam ist allen: Das Kind liest nicht nur mit, es bestimmt mit.
Warum sie beim Lesenlernen helfen können
- Verstehen wird gebraucht. Wer an einer Gabelung sinnvoll wählen will, muss verstanden haben, was bisher passiert ist. Die Entscheidung wirkt wie eine kleine eingebaute Verständnisfrage – ohne Quiz und ohne Noten.
- Wiederlesen ganz von selbst. Weil eine Geschichte mehrere Enden hat, lesen Kinder sie gern ein zweites und drittes Mal, diesmal mit einer anderen Wahl. Wiederholtes Lesen gehört zu den am besten untersuchten Wegen zu flüssigem Lesen.
- Überschaubare Etappen. Ein Abschnitt ist kurz und endet mit einer Frage. Das gibt Leseanfängern ein klares Ziel und eine natürliche Pause.
Ein Entscheidungsbuch ersetzt kein Vorlesen, kein Gespräch über das Gelesene und keinen Leseunterricht. Es ist ein Anlass mehr, freiwillig zu lesen.
Worauf Sie bei Kindern von 7 bis 10 achten können
- Zwei oder drei Wege reichen. Eine klare Frage mit wenigen Möglichkeiten überfordert nicht und lädt trotzdem zum Nachdenken ein.
- Echte Entscheidungen. Die Wahl sollte aus der Geschichte folgen. Wer aufmerksam gelesen hat, kann begründen, warum er sich so entscheidet.
- Enden, die nicht beschämen. Ein „falscher“ Weg sollte kein Strafgericht sein. Gut sind Enden, nach denen man gern noch einmal anders entscheidet.
- Schrift und Satzlänge passend zum Lesestand. Leseanfänger brauchen größere Schrift, mehr Abstand und kürzere Sätze als geübte Leser.
- Bei Apps: Ruhe im Text. Studien zu Kinder-E-Books zeigen, dass Spiele und Effekte mitten im Text vom Verstehen ablenken können. Achten Sie außerdem darauf, dass es keine Werbung und keine Kaufangebote im Kinderbereich gibt.
Lesepfadfinder: Entscheidungsbücher als Lese-App ohne Werbung
Lesepfadfinder ist eine Lese-App für Android-Smartphones und -Tablets mit Entscheidungsbüchern für Kinder im Grundschulalter, von 7 bis 10 Jahren. Jeder Abschnitt steht auf einer eigenen Seite, am Ende folgt eine Frage mit zwei oder drei Wegen. Anders als im gedruckten Spielbuch muss niemand Abschnittsnummern suchen: Nach der Wahl geht es direkt auf dem gewählten Weg weiter.
Auf Wunsch liest die App vor. Der Text bleibt sichtbar, das gerade gesprochene Wort ist hervorgehoben, damit das Kind mitlesen kann. Zwei Lesestufen, die für Leseanfänger entworfene Schrift Andika und ein Regler für den Buchstabenabstand passen die Seite an. Gefundene Enden erscheinen als Wege auf einer kleinen Karte – ohne Punkte, Serien oder Tagesziele.
Die App zeigt keine Werbung, braucht kein Konto und sammelt keine Daten. Die Bücher stecken in der App, gelesen wird ohne Internet. Gekauft wird nur im Eltern-Bereich hinter einer Erwachsenen-Schranke.
Derzeit gibt es vier Bücher von Lena Bertenstein: zwei Schulkrimis der Reihe „Emmi ermittelt“ und zwei Abenteuer der Reihe „Kuboria“, jeweils mit 8 bis 10 Enden. Zum Bücherregal
Gratis ausprobieren – auch in der Schule
Das erste Buch, „Emmi ermittelt 1 – Das verschwundene Maskottchen“, ist vollständig gratis, mit allen zehn Enden. Die anderen drei Bücher kosten je 2,99 € als Einmalkauf, ohne Abo (Stand Oktober 2026; verbindlich ist der Preis, den Google Play beim Kauf anzeigt).
Für Lehrkräfte gibt es zu Band 1 Begleitmaterial für die Klassen 3 und 4 (PDF): Unterrichtsideen, Gesprächsimpulse und vier Arbeitsblätter. Es steht unter der freien Lizenz CC BY‑SA 4.0 und ist frei kopierbar und veränderbar.
„1000 Gefahren“ und „Choose Your Own Adventure“ sind Titel ihrer jeweiligen Verlage und Rechteinhaber. Lesepfadfinder steht mit diesen Reihen in keiner Verbindung.
